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Der Schriftzug auf jeder Packung Zigarette warnt, dass Rauchen gefährlich ist. Es ist zweifelsohne erwiesen, dass Tabakrauch schädlich ist. An den unterschiedlichen Mechanismen, wie die Schäden genau entstehen, wird jedoch bis heute intensiv geforscht. Daten aus Tierversuchen oder Studien mit wenigen Probandinnen und Probanden legen nahe, dass die Belastung mit Tabakrauch ein möglicher Risikofaktor für pulmonale Hypertonie (umgangssprachlich Lungenhochdruck) ist. Im Lungenkreislauf fliesst sauerstoffarmes Blut vom Herzen in die Lunge. Zwischen fein verzweigten Blutgefässen, den Kapillaren, und den Lungenbläschen, den Alveolen, gibt das Blut Kohlendioxid ab und wird gleichzeitig mit Sauerstoff angereichert. Verengen sich in diesem Kreislauf Blutgefässe vor der Lunge, genannt pulmonal artierell pulmonale Hypertonie, oder verschliessen sich die Blutgefässe, genannt thromboembolische pulmonale Hypertonie (PH), staut sich das Blut und der Blutdruck steigt. PH entsteht. Inwiefern die Belastung mit Tabakrauch dafür verantwortlich ist, hat das Team rund um Prof. Dr. med. Silvia Ulrich am Universitätsspital Zürich erforscht.
Je mehr Daten, desto besser. Das Forschungsteam hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Tabakrauchbelastung in einer möglichst grossen Gruppe zu untersuchen. Dafür haben sie internationale Zentren für pulmonale Hypertonie in ganz Europa um Unterstützung gebeten. Zwischen November 2008 und Oktober 2012 wurden Patientinnen und Patienten mit pulmonaler Hypertonie am Telefon oder bei ihrem Arzttermin systematisch nach ihrer Tabakrauchbelastung und ihren Gewohnheiten befragt. Dabei wurden die Patientinnen und Patienten als Rauchende klassifiziert, wenn sie jemals in ihrem Leben mehr als ein Päckchen Zigaretten in einem Jahr geraucht haben. Weiter wurde zwischen aktuellen Rauchenden und Nichtrauchenden unterschieden. Für eine aussagekräftige Analyse haben die Forschenden auf die Schweizerische Gesundheitsbefragung 2007 zurückgegriffen, die vom Bund seit 1992 alle fünf Jahre durchgeführt wird. Die 492 Patientinnen und Patienten mit pulmonaler Hypertonie konnten so in Geschlecht und Alter vergleichbaren Patientinnen und Patienten aus den 18’000 Personen der Gesundheitsbefragung gegenübergestellt werden.
Knapp die Hälfte (49%) der Patientinnen und Patienten mit pulmonaler Hypertonie raucht. Davon sind 71% Männer. Im Vergleich zu gesunden Männern aus der Kontrollgruppe rauchen Männer mit pulmonaler Hypertonie häufiger. Frauen, die von pulmonaler Hypertonie betroffen sind, waren hingegen selten selbst Raucherinnen. Jedoch war rund die Hälfte der nicht rauchenden Frauen mit pulmonaler Hypertonie Tabakrauch ausgesetzt ohne selbst zu rauchen (sogenanntes Passivrauchen), was wiederum zu einer signifikant höheren Zahl an Individuen führt, die Tabakrauch ausgesetzt ist. Geschlechterunterschiede und aktive oder passive Belastung hin oder her, der Tabakrauch ist der Erkrankung gemein. Er ist also Risikofaktor. Wer sich oder andere Tabakrauch aussetzt, begünstigt pulmonale Hypertonie. Und daher gilt, was auf der Zigarettenschachtel zu lesen ist: Rauchen ist gefährlich.
Autoren
Keusch S., Hildenbrand FF., Bollmann T. et al.
Journal
Respiration
Publikationsdatum
5. Mai 2014
Unterstützt durch
Verein Lunge Zürich
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