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Sexualität und Nähe als Grundbedürfnis
Intimität und Sexualität weisen ein breites Spektrum auf. Von kleinen liebevollen, alltäglichen Berührungen, über Zeichen der Zuneigung, bis Kuscheln, Händchen halten, Massieren oder zusammen baden – Intimität geht über den sexuellen Akt an sich hinaus.
Über die eigenen Bedürfnisse und Ängste zu sprechen ist ein wichtiger Schritt zur Selbstbestimmtheit. Manchmal heisst das auch, dass man ausprobiert und kreativ wird. Was gefällt einem? Oder was fühlt sich gut an? Als alleinlebender Mensch, sowie auch als Paar dürfen Sie auf Entdeckungsreise gehen und herausfinden, was Sie erfüllt. Trotz Krankheitsstadium, Familienstand oder Alter kann eine erfüllte Sexualität ein Bedürfnis sein, welches die Lebensqualität beeinflussen kann.
Wo fange ich an?
Kommunizieren Sie Ihre Bedürfnisse und probieren Sie zum Beispiel das Gespräch einzuleiten mit: «Mir fällt es nicht leicht, aber ich möchte mit Dir über unsere Sexualität sprechen.» Scheuen Sie sich auch nicht, mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer Fachperson Ihres Vertrauens über Sexualität und Intimität zu sprechen.
Wählen Sie für Ihre Selbstliebe oder Zweisamkeit einen Zeitpunkt, an dem Sie sich ausgeruht und fit fühlen, und sorgen Sie für eine angenehme Raumtemperatur. Eine Vorbereitung ähnlich wie vor einem leichten Training kann hilfreich sein – bei Bedarf auch mit der vorgängigen Inhalation eines Medikaments. Reduzieren Sie Faktoren, die müde machen, wie schwere Mahlzeiten, Alkohol oder Stress, und lösen Sie Bronchialsekret möglichst vorher mit erlernter Hustentechnik. Sprechen Sie offen mit der beteiligten Person über mögliche Einschränkungen und nutzen Sie entlastende Körperhaltungen und Atemtechniken wie die Lippenbremse. Achten Sie auf Ihre Symptome, legen Sie Pausen ein und sorgen Sie für Entspannung und Komfort zum Beispiel mit der Verwendung eines Kissens zur Unterstützung.
Das Wichtigste ist, dass Ihr Intimleben Spass macht und erfüllend ist. Dabei Pausen einzulegen oder gegenseitig auf das Wohlbefinden zu achten, sollte durchaus zur Normalität gehören. Und denken Sie daran: Etwas ausser Atem zu kommen ist ganz normal. Pausieren Sie aber, wenn Sie Atemnot oder Angstzustände bekommen.
Hinweis für Fachpersonen
Wie sprechen Sie das Thema Sexualität bei Ihren Patientinnen und Patienten an? Viele Betroffene würden dieses Anliegen gerne teilen, warten aber darauf, dass Fachpersonen den ersten Schritt machen. Umso wichtiger ist es, alle PatientInnen – unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Schweregrad der COPD – regelmässig darauf anzusprechen.
Ein achtsamer Einstieg gelingt, indem Sie darauf hinweisen, dass der Wunsch nach Intimität ein grundlegendes menschliches Bedürfnis ist und viele Menschen mit Atemnot, Husten oder Erschöpfung ähnliche Unsicherheiten erleben. So entsteht Verständnis und ein natürlicher Übergang in ein sensibles Thema.
Hören Sie aufmerksam zu und geben Sie Ihrem Gegenüber genügend Zeit, sich zu öffnen. Fragen Sie behutsam nach, ob die genannten Erfahrungen bekannt vorkommen und ob sich die Person wohlfühlt, darüber zu sprechen. Auf diese Weise schaffen Sie einen geschützten Raum, in dem Betroffene ernst genommen werden und ihre Anliegen ohne Druck äussern können.
Als Unterstützung stehen Ihnen hilfreiche (kurz für COPD and SexualitY) zur Verfügung: Das Merkblatt zur Kommunikation, das die Einordnung individueller Bedürfnisse erleichtert und strukturiert, sowie das Booklet «Sexualität und COPD», das Betroffene und Fachpersonen gleichermassen unterstützt. Diese COSY-Studie der Universität Zürich, die von LUNGE ZÜRICH unterstützt wurde, zeigt: Gespräche über Intimität sind nicht nur erwünscht, sondern können die Motivation für Bewegung stärken – ein zentraler Faktor in der COPD-Therapie.
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