Beobachtet man einen Zusammenhang zwischen Begleiterkrankungen bei COPD und dem Level der körperlichen Aktivität? Schweizer Forschende sind dieser Frage nachgegangen.

Warum ist das Projekt spannend?

Die Menschen leben länger, aber mit mehr Gebrechen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Menschen 2019 sechs Jahre länger lebten als noch im Jahr 2000. Im Schnitt werden davon jedoch nur fünf Jahre in einem guten Gesundheitszustand verbracht. In Ländern mit hohem Einkommen ist COPD nach Herzkreislauf-, Demenzerkrankungen, Schlaganfällen und Lungenkrebs auf Platz fünf der häufigsten Todesursachen. In der Schweiz sind rund 400’000 Personen von der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit COPD betroffen. Fast immer entsteht COPD durch das Einatmen von Schadstoffen über einen längeren Zeitraum. Rund 90 Prozent aller COPD-Betroffenen rauchen oder haben geraucht. Umgekehrt erkranken jedoch nicht alle, die rauchen, an COPD. Die Krankheit führt dazu, dass sich die Atemwege nach und nach verengen. Zu den frühen Symptomen zählen Auswurf, Husten und Atemnot. Später können Herz- und weitere Lungenkrankheiten folgen. Neben der eigentlichen Krankheit kommen häufig sogenannte Begleiterkrankungen dazu. Eine Begleiterkrankung kann klar von der eigentlichen Grunderkrankung abgegrenzt werden. Sie kann direkt mit ihr zusammenhängen, muss aber nicht. Begleiterkrankungen und körperliche Inaktivität führt bei COPD-Patientinnen und -Patienten zu einer reduzierten Lebensqualität. Beide Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, ins Spital zu müssen. Forschende aus der ganzen Schweiz haben gemeinsam die These aufgestellt, dass der Status der Begleiterkrankungen den Level an körperlicher Aktivität pro Tag von COPD-Patientinnen und -Patienten voraussagt.

Wie ist das Forschungsteam vorgegangen?

An der Studie haben 228 COPD-Patientinnen und -Patienten teilgenommen. Im Schnitt waren sie 64 Jahre alt und 76% aller Teilnehmenden männlich. Mit einer Lungenfunktionsmessung wurde bei den Teilnehmenden die sogenannte Einsekundenkapazität (FEV1) ermittelt: Sie mussten nach vollständigem Einatmen innerhalb einer Sekunde so viel Luft wie möglich ausatmen. Der Wert wird dann jeweils im Verhältnis zum geschätzten FEV1-Wert von ähnlichen, gesunden Personen in Prozent ausgedrückt. Der Wert liefert damit einen Anhaltspunkt für den Schweregrad der Erkrankung. Werden Werte zwischen 50 und 80% gemessen, gilt die COPD als «mittelschwer». Als «schwer» wird sie klassifiziert, wenn sich der Wert zwischen 30 und 50% bewegt. Die Teilnehmenden erzielten Werte zwischen 31% und 63%. Zusätzlich wurden die Begleiterkrankungen anhand der Krankengeschichte und durch Gespräche, eine körperliche Untersuchung und einem Blutbild ermittelt. Damit die Forschenden die körperliche Aktivität berechnen konnten, mussten die Teilnehmenden während sieben aufeinanderfolgenden Tagen einen Sensor um den linken Oberarm tragen. Im Anschluss an die Datenerhebung haben die Forschenden die Zusammenhänge zwischen dem Level der körperlichen Aktivität und den Begleiterkrankung statistisch analysiert.

Welche Bedeutung hat diese Studie?

Fast 80% der Teilnehmenden hatten zusätzlich zur COPD-Erkrankung eine weitere Begleiterkrankung. 56% hatten zwei oder mehr Begleiterkrankungen und 35% drei oder mehr Begleiterkrankungen. Die statistischen Auswertungen zeigten:

  • Je höher der BMI, die Anzahl der gerauchten Jahre und das Vorhandensein mindestens einer Begleiterkrankung, desto geringer ist der Level an körperlicher Aktivität.
  • Je höher der prozentuale Wert der FEV1-Messung ist (also je besser die Lungenfunktion war), desto höher ist der Level der körperlichen Aktivität, wobei der Zusammenhang in diesem Fall nicht linear ist.

Eine Begleiterkrankung hat unabhängig von der Einschränkung der Atemwege Einfluss auf die körperliche Aktivität: Sind Begleiterkrankungen vorhanden, nimmt der Level an körperlicher Aktivität unabhängig des Schweregrades der COPD ab.
Die Studie zeigt auf, wie sich das Bewegungsverhalten verändert, wenn COPD-Betroffene an einer oder mehreren Begleiterkrankungen leiden. Sie kann daher als Weckruf verstanden werden, sich bei COPD mit Begleiterkrankungen unbedingt genügend zu bewegen. Mit ausreichend körperlicher Aktivität kommt auch die Lebensqualität in Bewegung: Sie kann erhalten werden!

 

Autoren
Sievi N., Senn O., Brack T. et al.

Journal
Respirology

Publikationsdatum
06. Januar 2015

Unterstützt durch
Verein Lunge Zürich