Welche Faktoren stehen bei COPD in einem Zusammenhang abnehmender körperlicher Aktivität über die Zeit? Um die Faktoren zu erkennen, hat die Universität Zürich Patientinnen und Patienten über fünf Jahre begleitet.

Warum ist das Projekt spannend?

COPD steht für Chronic Obstructive Pulmonary Disease. Sie entsteht durch das Einatmen von Schadstoffen über längere Zeit. Ein Grossteil der Betroffenen raucht oder hat geraucht. Umgekehrt erkranken jedoch nicht alle, die rauchen, an COPD. Frühe Symptome einer COPD-Erkrankung sind Auswurf, Husten und Atemnot. Später treten in den meisten Fällen weitere Erkrankungen wie beispielsweise Herzkrankheiten auf. COPD ist bis heute nicht heilbar. Medikamente können Beschwerden lindern und körperliches Training die Leistungsfähigkeit verbessern. Bereits bei geringer Einschränkung des Luftflusses bei COPD-Patientinnen und -Patienten ist der Level an körperlicher Aktivität erheblich tiefer im Vergleich zu gleichaltrigen gesunden Kontrollpersonen. Viele Studien haben bereits einzelne Faktoren der körperlichen Aktivität oder diese zu einzelnen Zeitpunkten bei COPD-Betroffenen untersucht. Bis zu dieser Studie hat sich jedoch noch keine Forschungsgruppe die Frage gestellt, wie sich die körperliche Aktivität von COPD-Patientinnen und -Patienten über die Zeit entwickelt. Das Team rund um Prof. Dr. med. Milo Puhan an der Universität Zürich hat sich genau dieser Fragestellung angenommen. Darüber hinaus wollten sie herausfinden, welche grundlegenden Faktoren relevant sind für langfristige körperliche Aktivität bei COPD-Patientinnen und -Patienten.

Wie ist das Forschungsteam vorgegangen?

Das Forschungsteam hat 409 Patientinnen und Patienten mit COPD aus der Schweiz und den Niederlanden in die Studie eingeschlossen. Bei der Grundbefragung gaben sie Auskunft über ihre Krankengeschichte, wurden einem Lungenfunktionstest und Leistungsfähigkeitstest unterzogen und mussten Fragen zu ihrer Lebensqualität, zur psychischen Verfassung und körperlichen Aktivität beantworten. Im Anschluss wurden die Patientinnen und Patienten fünf Jahre lang alle sechs Monate kontaktiert, damit die persönlichen Daten jeweils über die Studiendauer auf den aktuellsten Stand gebracht werden konnten. Die Forscherinnen und Forscher haben eine Punkteskala zwischen 0 und 23 Punkten erstellt, um die körperliche Aktivität mit den einzelnen Faktoren sowie zwischen den einzelnen Zeitpunkten der Erhebung miteinander vergleichen zu können.

Was hat das Forschungsteam herausgefunden?

Die ausgewerteten Daten zeigen, dass die körperliche Aktivität bei COPD-Patientinnen und -Patienten insgesamt und graduell abnimmt (0.22 Punkte alle sechs Monate). Der Vergleich zwischen den Resultaten von COPD-Betroffenen und der gesunden Kontrollgruppe zeigt, dass die Abnahme der körperlichen Aktivität zwei- bis dreimal grösser ist bei COPD-Patientinnen und -Patienten. Die Studie hat zudem eine ganze Liste an Faktoren ergeben, die im Zusammenhang mit einer langfristig geringeren körperlichen Aktivität steht: Hohes Alter, Jahre als Raucherin oder Raucher, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit, männliches Geschlecht, ein tiefes Bildungsniveau, keine frühere körperliche Betätigung, eine niedrige körperliche Leistungsfähigkeit und Lungenfunktion, ein schlechter Allgemeinzustand und mehr verschriebene Lungenmedikamente. Alle aufgezählten Faktoren stehen unabhängig voneinander im Zusammenhang mit geringer körperlicher Aktivität. Wo ist nun ein Transfer der Resultate in den Alltag möglich? Sie erlauben zum einen im Klinikalltag oder in der Sprechstunde Merkmale, die in einem Zusammenhang mit geringer körperlicher Aktivität der Patientinnen und Patienten stehen, schnell zu erkennen. Zum anderen wird deutlich, wie wichtig körperliche Aktivität bei COPD ist. Die Differenz, die gerade bei Patientinnen und Patienten mit wenigen Faktoren gemacht werden kann, ist beträchtlich: Sie kann zur Verzögerung der Krankheit und damit zu mehr Lebensqualität führen.

 

Autoren
Yu T., Frei A., Ter Riet G. et al.

Journal
Respiration

Publikationsdatum
13. Juli 2016

Unterstützt durch
Verein Lunge Zürich