Im Jahr 2021 hat LUNGE ZÜRICH ein Forschungsprojekt des Universitätsspitals Zürich USZ finanziell unterstützt, das ein effizientes und gleichzeitig schonenderes Training für Menschen mit COPD ermöglichen soll. COPD ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, die meist durch das langfristige Einatmen von Schadstoffen – allen voran Tabakrauch – ausgelöst wird. Sie führt zu einer dauerhaften Entzündung und Verengung der Atemwege.

Das Universitätsspital Zürich USZ hat bei diesem Projekt untersucht, wie Personen mit und ohne COPD beim Training spürbar entlastet werden können. Bei dieser speziellen Trainingsmethode, dem sogenannten Blutflussrestriktionstraining (Blood Flow Restriction, kurz BFR), werden an beiden Oberschenkeln weiche Manschetten angelegt, die während der Übung leicht aufgepumpt werden – zu vergleichen mit einem Blutdruckband. Das Blut fliesst weiterhin in die Beine, kehrt jedoch verlangsamt zurück. Die Muskulatur erhält dadurch das Signal, intensiver zu arbeiten, obwohl der tatsächliche Trainingsaufwand unverändert bleibt. Gleichzeitig wird das Herz-Lungen-System weniger beansprucht.

Eine wissenschaftliche Studie (Exploring immediate cardiorespiratory responses, 2024) von Forschenden der Universität Zürich und des Universitätsspitals Zürich zeigte, dass dieses Training bei gesunden Erwachsenen zu deutlich weniger Atemarbeit, geringerem Sauerstoffverbrauch und reduzierter CO₂‑Produktion führt als klassisches Intervalltraining. Dieselben entlastenden Effekte wurden in der Studie des USZ auch bei Menschen mit COPD beobachtet – sowohl beim Kraft- als auch beim Ausdauertraining. Die Atembelastung war geringer, und es trat weniger Atemnot auf, während die Beinmuskulatur wirksam gefordert wurde und somit besser trainiert werden kann.

Aktueller Forschungsstand und Ausblick

In rund drei Jahren wurden insgesamt 288 Messungen aus vier Teilstudien mit gesunden Erwachsenen und Menschen mit COPD erfolgreich durchgeführt und ausgewertet. Die Messungen erfolgten im Rahmen des CARE‑Forschungsprogramms (Cardiorespiratory Response) am Universitätsspital Zürich in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich unter der Leitung eines interdisziplinären Forschungsteams aus Pneumologie und Trainingswissenschaft. Erste Ergebnisse wurden bereits in internationalen Fachkreisen veröffentlicht und bestätigen die entlastende Wirkung dieser Trainingsmethode.

Bis Ende 2026 sind weitere Teilprojekte und Publikationen geplant. Zudem bestehen Kooperationen – unter anderem mit der Northumbria University in England und dem Kantonsspital St. Gallen –, um den Nutzen dieser schonenden Trainingsform für Menschen mit Atemwegserkrankungen noch weiter zu untersuchen.

Wie das Training heute genutzt wird

Das Training mit leicht eingeschränktem Blutfluss wird in der Schweiz bisher vor allem in der orthopädischen und sportmedizinischen Rehabilitation eingesetzt, wo es hilft, Muskulatur mit geringerer Belastung aufzubauen. Diese Anwendung stützt sich auch auf die wissenschaftlichen Grundlagen aus den CARE-Studien.

Für Menschen mit COPD befindet sich die Methode hingegen noch in der wissenschaftlichen Erprobung. Eine erste Pilotstudie zeigt, dass das Training im Rahmen eines ambulanten Rehabilitationsprogramms gut umsetzbar wäre und funktionelle Verbesserungen bringen kann, es gehört jedoch noch nicht zur regulären ambulanten pneumologischen Rehabilitation.

Die CARE-Studien schaffen nun eine solide Basis dafür, diese schonende Trainingsform weiterzuentwickeln und künftig auch Menschen mit Atemwegserkrankungen zugänglich zu machen. Für Betroffene eröffnet sich damit die Perspektive auf ein Training, das stärkt, ohne zu überfordern.

CARE-Studie
Exploring immediate cardiorespiratory responses