Wie die Medikamentenkonzentration im Blut und die Kultivierung des Schleimauswurfs Auskunft über den Behandlungsverlauf bei Tuberkulose/HIV-koinfiszierten Patientinnen und Patienten geben. Professor Dr. med. Jan Fehr vom Universitätsspital Zürich hat sich in Uganda auf Forschungsreise begeben.

Warum ist das Projekt spannend?

Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die meist die Lunge befällt. Zu den anfänglichen Symptomen zählen unter anderem Husten, Fieber, Nachtschweiss und Gewichtsabnahme. In schweren Fällen kommt es zu blutigem Auswurf beim Husten, Atemnot und Untergewicht. Neuerkrankungen werden jeweils pro 100 000 Menschen pro Jahr angegeben, damit die Werte weltweit miteinander verglichen werden können. Die globalen Unterschiede sind eindrücklich: In der Schweiz erkranken pro 100 000 Menschen statistisch gesehen jährlich 6.5 Personen an Tuberkulose (rund 100 im Kanton Zürich) während es in Uganda 253 Personen pro 100 000 Einwohnende sind. Jährlich sterben 1.4 Millionen Menschen pro Jahr an Tuberkulose, wovon 400 000 gleichzeitig an HIV erkrankt sind. Die gleichzeitige Erkrankung an Tuberkulose und HIV führt zu einem schwereren Verlauf, da die Tuberkulose zu einer gesteigerten Aktivierung des Immunsystems führt, womit auch die Vermehrung des HI-Virus begünstigt wird. Um Tuberkulose gesichert nachzuweisen, wird eine mikroskopische Untersuchung des Schleimauswurfs durchgeführt. Dabei versucht man, Spuren des Erregers im Schleimauswurf zu finden. Zudem wird die Probe meist im Labor kultiviert. Enthält sie lebendige Tuberkulosebakterien, zeigt sich nach einigen Wochen das für die Krankheit typische Bakterienwachstum. Eine erfolgreiche Therapie, die die Tuberkulosebakterien bekämpft, zeigt sich nach einiger Zeit ebenfalls in einer negativen Schleimauswurfkultur ohne bzw. eingeschränkten Bakterienwachstum. Der Zusammenhang zwischen der Konzentration der Antituberkulosemedikamente, der Schleimauswurfkultur und dem Behandlungserfolg war bis anhin unklar. Das Team um Professor Dr. med. Jan Fehr, Oberarzt am Universitätsspital Zürich, ist dieser Frage nachgegangen. Das Forschungsteam hat diesen Zusammenhang in Tuberkulose-HIV-koinfiszierten Patientinnen und Patienten in Uganda untersucht, die in erster Linie aufgrund ihrer Tuberkulose in Behandlung waren.

Wie ist das Forschungsteam vorgegangen?

Die Forschungsgruppe hat 268 HIV-infizierte Patientinnen und Patienten in Uganda rekrutiert, die gleichzeitig an pulmonaler Tuberkulose erkrankt sind. Sie haben alle eine antituberkulotische Therapie mit den Medikamenten Isoniazid und Rifampicin erhalten. Die Blutmessungen haben jeweils nach zwei, acht und 24 Wochen der Therapie eine, zwei und vier Stunden nach der Einnahme der Medikamente stattgefunden. Zudem wurde an allen Messterminen ebenfalls Schleimauswurf kultiviert und im Labor untersucht. Schlussendlich konnten von den 268 Probandinnen und Probanden 177 in die finale Analyse miteingeschlossen werden.

Was hat das Forschungsteam herausgefunden?

Bei 158 Personen (70%) hat die Therapie angeschlagen und sie sind von der Tuberkulose geheilt. Bei acht Personen (4%) ist die Therapie gescheitert und elf sind während der Therapie gestorben. Bei Patientinnen und Patienten mit einer niedrigen Medikamentenkonzentration (Isoniazid und Rifampicin) war es weniger wahrscheinlich, dass sich ihr Schleimauswurf vor Therapieende hin zu einer bakterienfreien Kultur veränderte. Die Resultate zeigen allerdings, dass eine niedrige Konzentration von antituberkulose-Medikamenten im Blut nicht zwingend zu einem Misserfolg der Behandlung führt.

Welche Bedeutung hat diese Studie?

Die Studie hat eine Abhängigkeit zwischen der Medikamentenkonzentration und der Veränderung des Schleimauswurfs gefunden: Sie ist bei niedrigen Konzentrationen verlangsamt, hat aber keinen Einfluss auf den Therapieerfolg. Die Ergebnisse sind von grosser Bedeutung, wenn es um die Übertragung der Krankheit geht, bedürfen aber weiterer Forschung. Da die Tuberkulose weltweit Millionen von Menschen betrifft, unterstützt LUNGE ZÜRICH solche Studien, auch wenn sich deren Ergebnisse nicht unmittelbar im Kanton Zürich anwenden lassen.

 

Autoren
Sekaggya-Wiltshire C., von Braun A., Lamorde M., et al.

Journal
Clin Infect Dis

Publikationsdatum
16. August 2018

Unterstützt durch
Verein Lunge Zürich