Diagnose pulmonale Hypertonie. Das Universitätsspital Zürich hat die psychische Verfassung bei der Diagnose und während der Therapie untersucht.

Warum ist das Projekt spannend?

Pulmonale Hypertonie (PH), umgangssprachlich Lungenhochdruck, ist der Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsbilder. Sie wird sichtbar, wenn man bei Anstrengung in Atemnot gerät, häufig müde ist und über ein Engegefühl im Brustkorb klagt. Manchmal ohne erkennbare Ursache oder in Zusammenhang mit Krankheiten des Bindegewebes, der Leber oder des Herzens verengen sich die Gefässe im Lungenkreislauf. Der Widerstand in den Gefässen des Lungenkreislaufes nimmt zu und der Druck erhöht sich. Wie das Blut zwischen Herz- und Lungenkreislauf zirkuliert, können Sie in der Infobox nachlesen. Patientinnen und Patienten mit pulmonaler Hypertonie berichten häufig, dass die Lebensqualität durch die Krankheit abgenommen hat. Prof. Dr. med. Silvia Ulrich hat am Universitätsspital Zürich untersucht, wie häufig Angst und Depressionen im Zusammenhang mit der Lebensqualität, der Krankheitsschwere und dem Überleben bei pulmonaler Hypertonie stehen.

Blutkreislauf
Während im Herzkreislauf das sauerstoffreiche Blut in den Körper und das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen transportiert wird, gelangt im Lungenkreislauf das sauerstoffarme Blut vom Herzen in die Lunge. Dort findet der Gasaustausch statt: Zwischen fein verzweigten Blutgefässen (Kapillaren) und den Lungenbläschen (Alveolen) gibt das Blut Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf.

Wie ist das Forschungsteam vorgegangen?

Für die Studie haben 131 Patientinnen und Patienten wiederholt Fragebögen mit Angaben zu ihrer Lebensqualität und ihrer psychischen Verfassung ausgefüllt. Dabei wurden nicht ausschliesslich bereits diagnostizierte Patientinnen und Patienten befragt. Das Team am Universitätsspital Zürich hat zwischen prävalenten und inzidenten Fällen unterschieden: Prävalente Fälle hatten zum Zeitpunkt der Behandlung am Universitätsspital resp. der dortigen Befragung bereits die Diagnose pulmonale Hypertonie erhalten. Inzidente Fälle füllten ebenfalls die Fragebögen aus, wurden jedoch noch nicht als pulmonale Hypertonie-Patientinnen und -Patienten klassifiziert. Erhielten sie dann die Diagnose, galten sie als Neuerkrankte. Unter den 131 Patientinnen und Patienten in der Studie waren 49 Neuerkrankungen dabei.

Was hat das Forschungsteam herausgefunden?

Die ersten Auswertungen der Befragungen haben gezeigt, dass 53% der Neuerkrankten (inzidente Fälle) sowie 21% (prävalente Fälle) der zuvor Erkrankten über depressive Verstimmungen berichten. In einem ähnlichen Bereich bewegten sich die Zahlen zur Angst. Neuerkrankte Patientinnen und Patienten erhielten eine auf sie angepasste Therapie. Bei Kontrollterminen füllten sie die Fragebögen erneut aus: Die psychische Verfassung hatte sich bereits bei der zweiten Erhebung deutlich verbessert. Sie stand zudem im Zusammenhang mit der Lebensqualität, die sich ebenfalls verbessert hatte. Dabei gab es keinen Zusammenhang zwischen dem Alter oder dem Geschlecht der Patientinnen und Patienten. Die Studie zeigt also, dass Angst und Depressionen bei neuerkrankten Personen häufiger vorkommen, sich aber nach Diagnose und Therapie verbessern. Zum einen ist die Studie eine Momentaufnahme, die offen legt, dass psychische Veränderungen bei der Diagnose von pulmonaler Hypertonie bis dato nicht ausreichend erforscht und somit berücksichtigt wurden. Zum anderen ist sie ein Plädoyer, dass durch die Therapie eine Verbesserung der Symptome erreicht werden kann. Dadurch steigt die Lebensqualität wieder. Und das ist für Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger sowie Patientinnen und Patienten die Hauptsache!

 

Autoren
Somaini G., Hasler ED., Saxer S. et al.

Journal
Respiration

Publikationsdatum
18. Mai 2016

Unterstützt durch
Verein Lunge Zürich