Der LuftiBus war von 2013 bis 2016 an 37 Schulen im Kanton Zürich und hat Kinder und deren Eltern zu ihrem Rauchverhalten sowie ihren Atemwegssymptomen befragt.

Studie

Der LuftiBus, Präventionsbus von LUNGE Zürich, hat zwischen 2013 und 2016 an 37 verschiedenen Schulen im Kanton Zürich Halt gemacht. Neben dem Ziel herauszufinden, ob Atemwegssymptome und Lungenfunktion der Schulkinder mit der Luftqualität in ihrer Umgebung korreliert, wurden weitere Daten erhoben. Die Daten zum Rauchverhalten und zu den Atemwegssymptomen bei jungen Erwachsenen liegen nun vor.

Wie ist das Forschungsteam vorgegangen?

Das Forschungsteam hat 3388 Kinder zwischen 6 und 17 Jahren sowie deren Eltern zu ihrem Rauchverhalten und ihren Atemwegssymptomen mittels einem Fragebogen befragt. Neben der Messung von Grösse und Gewicht im LuftiBus wurden die Kinder interviewt. Sie wurden gefragt, ob sie schon einmal eine Zigarette, eine Shisha oder mit einer elektronischen Zigarette geraucht hätten. Die Kinder wurden zudem zum Rauchverhalten ihrer Eltern befragt. Dabei wurde unterschieden zwischen:

  • «nie geraucht»
  • «gelegentlich», ein- bis zweimal pro Woche oder weniger
  • «häufig», mindestens einmal pro Woche oder täglich

Zusätzlich wurden sie nach Atemwegssymptomen befragt: Husten ohne Erkältung, Husten häufiger als Kolleginnen und Kollegen, trockener Mund nach dem Aufwachen als Rückschluss auf nächtliche Mundatmung, Atembeschwerden und Keuchen, Heuschnupfen und Asthma. Der Fragebogen der Eltern fragte nach dem Geburtsort des Kindes, seinen sportlichen Aktivitäten, nach dem Rauchverhalten der Mutter in der Schwangerschaft, dem Ursprungsland der Eltern, Asthma-Erkrankungen in der Familie und Schulabschluss der Eltern. Die Forschenden griffen auf die Daten der Schweizerischen Kohortenstudie zurück, um den unterschiedlichen Orten einen sozioökonomischen Index zuzuteilen. Dieser setzt sich unter anderem aus der Miete pro Quadratmeter, der Bildung und der Beschäftigung pro Kopf und Haushalt und der Anzahl Personen in einem Haushalt zusammen. Daraus hat das Forschungsteam wieder drei Kategorien erstellt:

  • «Stark urban», wo mindestens die Hälfte der Bevölkerung verdichtet wohnt
  • «schwach urban», wo weniger als die Hälfte der Bevölkerung verdichtet oder auf ländlichen Parzellen wohnt
  • «ländlich», wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf ländlichen Parzellen lebt

Was hat das Forschungsteam herausgefunden?

Von den 1583 jungen Erwachsenen zwischen 13 und 17 Jahren waren 6% übergewichtig, 58% lebten in «schwach urbanen» Orten und 87% von ihnen waren in der Schweiz geboren, auch wenn rund die Hälfte ihrer Eltern aus einem anderen Land stammen.

  • 61% von ihnen rauchen nicht
  • 36% rauchen manchmal, wobei 74% elektrisch, 73% Shisha und 49% Zigaretten rauchen
  • 3% rauchen häufig. 76% davon Zigaretten, 20% elektrisch und 19% Shisha

Ein genauer Blick in die Grafiken und Statistiken der Studie lohnt sich. Dort kann beispielsweise die Veränderung mit zunehmendem Alter gut erkannt werden. Ebenfalls ist abgebildet, dass junge Erwachsene meist nicht nur eine, sondern mehrere Arten des Rauchens praktizieren. Generell zeigt die Studie, dass junge Männer öfters rauchen als ihre weiblichen Altersgenossinnen. Junge Menschen, deren Eltern rauchen, greifen ebenfalls öfters zur Zigarette, Shisha oder zur E-Zigarette. Rauchen ist auf dem Land und in der Stadt weiter verbreitet als in «schwach urbanen» Gebieten. Zwischen der sozioökonomischen Lage respektive der elterlichen Bildung und dem Rauchverhalten gibt es keinen Zusammenhang: Geraucht wird in allen Schichten. Junge rauchende Erwachsene haben zudem erwartungsgemäss mehr Atemwegssymptome gezeigt: Während junge Frauen mehr über Atembeschwerden und einen trockenen Mund klagten, waren es obere Atemwegssymptome bei den jungen Herren. Im internationalen Vergleich liegen die Schweizer Resultate unter dem europäischen Durchschnitt. Junge Menschen in der Schweiz rauchen weniger oft als in den Nachbarländern Deutschland, Italien und Frankreich, aber mehr als in England, Dänemark und Schweden. Können sich die Lungen bis zum 20. Lebensjahr von schädlichen Einflüssen nicht erholen, können sie ein Leben lang geschädigt bleiben. Die Kinderjahre stellen demnach einen besonders empfindlichen Lebensabschnitt in Bezug auf die Lungenentwicklung dar. Deshalb empfiehlt die vorliegende Studie, präventive Massnahmen für alle Arten des Rauchens zu ergreifen, um junge Erwachsene vor dem Rauchen zu schützen. Dazu könnte ein Verbot von Werbung und erhöhte Tabaksteuern gehören.

 

Autoren
Mozun R., Ardura-Garcia C., de Jong CCM., et al.

Journal
Pediatr Pulmonol.

Publikationsdatum
27. Juli 2020

Unterstützt durch
Verein Lunge Zürich